Was für eine Kettenmarke sollte ich nehmen?

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Was für eine Kettenmarke sollte ich nehmen?

Beitragvon Gast » 02.02.2006, 21:25

Auch hier gilt: Qualität vor Preis. DID ist Erstausrüster bei fast allen japanischen Maschinen und hält auch am längsten. Für die Suzuki DR-Modelle werden zwei grundsätzliche Kettenabmessungen angeboten, die sich lediglich in der Breite, aber nicht in der Teilung unterscheiden.

520er Reihe = schmaler Typ

525er Reihe = breiter Typ.

Die Zugfestigkeit der einzelnen Kettentypen hängt außerdem von der Stärke der Gliedplatten und der Bolzen ab. Die Verwendung von O-Ringen oder X-Ringen ist mehr eine Modeerscheinung und beeinflusst meiner Erfahrung nach die Kettenlebensdauer nicht. Als Entscheidungshilfe soll die folgende Tabelle dienen, in der Kettentypen und Zugfestigkeiten aufgeführt sind.

Tabelle Kettentypen

Kette Zugfestigkeit (kN) Dichtringe

Kette 520 ZVM2 -N116 4500 X-Ring (Nachfolger der VL4)

Kette 520 VL4 -N116 3800 O-Ring

Kette 520 VM -N116 3650 X-Ring

Kette 520 V -N116 3120 O-Ring

Kette 525 VM -N116 3700 X-Ring

Kette 525 V -N116 3700 O-Ring

Zuerst einiges zur Erklärung des Bezeichnungsschlüssels:

Die ersten zwei Ziffern der ersten Zahl =52 sagen etwas über die Kettenteilung (also Abstand der Kettenbolzen) aus. Für die BIG gibt es nur die 52er Teilung.

Die letzte Ziffer der ersten Zahl =0 oder 5 sagen etwas über die Kettenbreite aus. Für die BIG werden Breiten 0 und 5 angeboten. Die 525-Ketten sind breiter, also auch schwerer und erfordern breitere Kettenbätter und Ritzel. Wie man sieht, hat die 525-Kette zwar ein höheres Gewicht, aber nicht die höchste Zugfestigkeit. Ich rate daher von 525-Ketten ab. Zwar liegen bei einer 525er Kette breitere Rollen auf dem breiteren Ritzel. Meiner Erfahrung nach mindert dies den Verschleiss nicht wesentlich, weil die Kettten zumeist nicht an den Rollen verschleißen. Suzuki hat einfach ab 1996 525er Ketten verwendet, weil auch das restliche Modellprogramm diese Ketten verwendet - Gleichteilephilosophie-mehr nicht!

Für weniger Verschleiß kann nur eine dickere Dimensionierung helfen. Für außerordentlich lange Lebensdauer (regelmäßige Pflege vorausgesetzt) hat sich die DID-520 VL 4 bei mir schon seit langer Zeit sehr gut bewährt. Diese verfügt über die stärksten Gliedplatten (2.2mm dick!) im Sortiment. Sie wird zur Zeit sukzessive durch die DID 520 ZVM2 (nicht verwechseln mit der "nur" VM) ersetzt, welche genauso dimensioniert ist aber über Doppel x-Ringe verfügt.

Die Buchstaben/Zahlenkombination am Ende der Kettenbezeichnung sagt etwas über Zugbelastbarkeit/Qualität und, wenn man in ein Datenblatt genau hineinsieht, auch etwas über die o. g. Gliedplattendicke sowie Dichtringart (X- oder O-Ring) aus. Allgemein gilt: Je höher die Zugbelastbarkeit, desto besser die Kette. Die Kette mit der derzeit höchsten Zugbelastbarkeit ist die DID 520 ZVM2. Mit 4500 kN übertrifft sie sogar Ihre Vorgängerin DID 520 VL4 um nochmals 700 kN!

Hinweis:

In diversen Zubehörkatalogen wird meistens die Kette 520V als Standard angeboten, bei dieser ist aber wegen zu geringer Zugkraftwerte mit Sicherheit keine lange Lebensdauer zu erwarten. Hier kann sich tatsächlich bei extremer Beanspruchung die Kette über die Gliedplatten dehnen, was bei allen anderen Typen kaum möglich ist. In diesen Katalogen sollen die Kette 520VM die Top-Qualität sein, aber wie man sieht, gibt's Tatsache besseres... :-)

Nämlich die bereits beschriebene DID 520 VL4 bzw ZVM2 ! Leider hat das Teil aber auch einen Spitzenpreis und ist etwas schwerer, durch die 2.2 mm dicken Gliedplatten. Ich selbst habe mit dieser Kette, wie schon erwähnt, wirklich nur beste Langstreckenerfahrungen gemacht.

Ein Hinweis zur Verschleissmessung der Kette: Lässt sich dieselbe so weit vom Kettenrad hinten entgegen der Fahrtrichtung vom Ritzel wegziehen, dass mehr als ein halber Zahn des Ritzels erkennbar ist, dann ist die Kette sicher fertig! UNFALLGEFAHR! Denn die Kette kann am Ritzel oder Kettenrad überspringen und blockieren, und das wird ein langer Rutscher! :-)

Zur dauernden Frage der Kettenpflege wäre lediglich zu sagen, das regelmässig Fetten unbedingt wichtig ist. Dabei ist es bezüglich der reinen Schmierwirkung ziemlich unwichtig, welches Kettenspray (schön ist es halt, wenn Du eins findest, was nicht überall rumfliegt), nur regelmässig solls sein. Nimm einen Finger und leg Ihn innen auf die Kette - wird er schwarz, dann ist noch Fett da! Glänzende Rollen zeugen von zuwenig Fett und verschleissen schnell. Fette die Kette nach dem Fahren, das Lösungsmittel im Spray verdampft auf dem erwärmten Metall schnell und trocknet bis zum nächsten Tag gut ab! Kettenreiniger is ganz ok, besser jedenfalls, als den Kärcherstrahl direkt auf die O-Ringe zu halten oder die Kette gar ins Benzinbad zu legen, wo das Fett vom Sprit hinter den O-Ringen rausgewaschen wird (was bedeutet, das die Kette kaputtgeputzt ist!) Danach wieder gut fetten. UND LOS :-)

Wissenswertes über Ritzel und Kettenräder
Die Standardkombination der DR BIG ist bis 1990 15 : 48 und ab 1991 15 : 47. Letzteres ist aber nur den verschärften Abgas- und Geräuschbestimmungen zu verdanken. Die DR wird, um diese einhalten zu können, von Suzuki für uns "lahmer" gemacht. Es spricht - außer der Einhaltung der ABE :-) - eigentlich nichts dagegen, auch bei späteren Baujahren ein 48er Kettenrad zu verwenden!

Das Ritzel vorn sollte möglichst mit 15 Zähnen belassen werden. Würde man, um eine längere Übersetzung zu erreichen, ein Ritzel mit 16 Zähnen verwenden, wird die Kette am Motorgehäuse anschlagen und das wichtige Kettenführungsblech über dem Ritzel, welches ein Verklemmen der Kette verhindern soll, kann nicht mehr verwendet werden.

Besonders wenn man "auf Achse" zu einem Geländetrip anreist (Schotter braten in den Alpen z.B. :-) ...) ist der schnelle Tausch vom 15er auf ein kleineres 14er Ritzel der einfachste Weg, schnell die Übersetzung offroadgerecht zu Tunen. Dabei besteht aber die Gefahr, dass o. g. Führungsblech nicht wirkt, weil der Abstand Ritzel - Führungsblech zu groß ist. ACHTUNG! Besonders bei Schlammfahrten kann sich hier die Kette sehr schnell verklemmen. Es besteht die Gefahr zu stürzen und das Motorgehäuse dauerhaft zu zerstören. Deshalb MUSS beim Einbau eines 14er Ritzels unbedingt das Führungsblech geändert werden. (nicht nur ein kleineres Ritzel sondern auch das passende Führungsblech in den Rucksack!) Ein nachteiliger Aspekt ist, dass durch die enge Knickung der Kette auf einem 14er Ritzel ein höherer Verschleiß stattfindet -deshalb würde ich es nicht als Dauerlösung empfehlen.

In unserem http://www.dr-big-shop.de" target="_blank haben wir Kettenräder "Enduro", welche ganz nach Wunsch ohne zusätzlichen Aufpreis größer oder kleiner als Serie geordert werden können. Offroad ist unserer Erfahrung nach die Übersetzung 15:50 sehr zu empfehlen.

Längere Übersetzungen als 15:47 empfehlen sich nicht! Die niedrigere Drehzahl im letzten Gang wird mit einem wesentlich schlechteren Anschluss der Gänge 1-4 erkauft, so dass man jeden Gang wesentlich höher ausdrehen muss, um ausreichend Zugkraft im nächsten Gang zu haben -so wird der Motor ggf. sogar mehr belastet!!

Editiert 29-03-2009
© Stefan RB 2009 http://www.hessler-motorsport.de

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ACHTUNG!!! Grundsätzlich gilt!!!
Alle dargestellten Umbau-/Reparaturhinweise erheben NICHT den Anspruch auf Vollständigkeit. Die beschriebenen Umbau-/Reparaturmassnahmen sind nach besten Wissen erstellt. Dennoch sind auch hier Fehler nicht unmöglich!
Ausserdem ist zu beachten, das bei allen Umbauten oder Reperaturen mindestens technische Grundkenntnisse und ordentliches Werkzeug vorhanden sein sollten.
Nun aber viel Spass und Erfolg beim Basteln an Eurer SUZUKI.

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